Liebe Spiegel-Redaktion,

Die Macher von Spiegel-TV mögen es ja für richtig halten, mit teuren, schweren Kameras Bilder aufzunehmen, die sie genausogut mit preiswerter Mini-Technik bekommen könnten. Für den Zuschauer ist es allerdings völlig egal, wieviel das Gerät gekostet hat, das Ihre Leute durch die Gegend schleppen. Für das Publikum zählt nur das Ergebnis. Und das ist bei der "minimal-invasiven" Produktionsweise der VJs in der Regel authentischer, interessanter und überraschender als die öden Inszenierungen, die uns das "Qualitäts"-Fernsehen als Wirklichkeit verkaufen will. So überrascht es auch nicht, dass VJ-Produktionen oft höhere Einschaltquoten erreichen als vergleichbare "konventionelle" Beiträge.

Die gelegentlichen Klagen über (technische) Qualitätsmängel haben nichts mit der VJ-Produktion an sich zu tun sondern sind die Folge mangelhafter Ausbildungskonzepte. Auf dem Markt der VJ-Trainings tummeln sich nämlich leider inzwischen viele selbsternannte Experten, denen es vor allem um den schnellen Euro geht.

Und noch etwas darf nicht unwidersprochen bleiben: von "müssen" kann bei der VJ-Produktion nicht die Rede sein. Durchweg handelt es sich bei den VJ-Pionieren um Leute, die so produzieren wollen, weil sie inhaltiche Vorteile sehen. Mit diesem Wunsch stoßen sie jedoch oft auf erhebliche Widerstände in den eigenen Reihen.

Bernd Kliebhan